Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
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Ehemaliger Guardini-Lehrstuhl

Der Guardini-Lehrstuhl, benannt nach seinem ersten Inhaber Romano Guardini, wurde im Jahr 1948 ins Leben gerufen und war seitdem die intellektuelle Heimat für Forschung und Lehre auf dem Gebiet der Religionsphilosophie an der LMU München. Die jeweiligen Lehrstuhlinhaber haben gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dabei stets eigene Akzente bei der inhaltlichen Ausrichtung des Lehrstuhls gesetzt. Nichtsdestoweniger zieht sich durch seine gesamte Geschichte der gemeinsame Anspruch, aus einer offenen, interdisziplinären Haltung heraus den Ort von Religion in der modernen Welt zu bestimmen und von dort einen ideologiekritischen Blick auf das Zeitgeschehen zu werfen.

Der Lehrstuhl wurde im Jahr 1948 als „Lehrstuhl für christliche Weltanschauung, Religions- und Kulturtheorie“ geschaffen, um einen Ruf Romano Guardinis (1885-1968) von Tübingen nach München zu ermöglichen. Diese Personalie brachte einen der einflussreichsten Religionsphilosophen seiner Zeit an die LMU – und erfüllte diesem dadurch, wie er selbst in einem Brief bemerkte, seinen „Traum“. Neben einem außerordentlich breitgefächerten Interesse für Ekklesiologie, Christologie, Anthropologie und Kulturphilosophie widmete sich Guardini in München insbesondere Fragen der Religionskritik und der christlichen Ethik. Ebenso wichtig wie seine universitäre Lehrtätigkeit waren dem katholischen Priester Guardini seine wöchentlichen Predigten in der Universitätskirche St. Ludwig.

Im Jahr 1964 wurde Karl Rahner (1904-1984) als Nachfolger Guardinis von der Universität Innsbruck an die LMU berufen. Zwar blieb er dort nur für drei Jahre, doch setzte er in dieser Zeit in seinen Vorlesungen über den Begriff des Christentums den Grundstein für das theologisch-philosophische Projekt, das später in der Publikation seines vielbeachteten Werks Grundkurs des Glaubens münden sollte. Auf Rahner folgte 1974 nach einer mehrjährigen Vakanz Eugen Biser (1918-2014), der wie schon Guardini vor ihm das Amt des Universitätspredigers ausübte. Im Ausgang von einer Analyse der religiösen Sprache befasste sich Biser intensiv mit der Kulturgeschichte des Christentums, wobei er sich in späteren Jahren immer wieder kritisch mit Kirchenkrise auseinandersetzte.

1988 übernahm Hans Maier (geb. 1931) den Lehrstuhl, der zuvor 16 Jahre lang als bayerischer Kultusminister tätig gewesen war. Maiers Hintergrund in Politik und Politikwissenschaft schlug sich auch in einem seiner zentralen Forschungsschwerpunkte nieder, den er auf dem Gebiet der politischen Religionen und des Totalitarismus setzte. Dabei ging es stets darum, den Gefahren und Verlockungen politischer Indoktrination das zeitkritische Potenzial eines aufgeklärten Glaubens entgegenzuhalten. Rémi Brague (geb. 1947) war von 2002 bis 2012 der letzte Inhaber des Guardini-Lehrstuhls. Als großer Kenner der jüdischen und arabischen Tradition weitete Brague den kulturellen Fokus des Lehrstuhls und setzte sich in seinen Seminaren unter anderem mit dem sogenannten Religionsgespräch des Mittelalters auseinander, darüber hinaus galt sein Interesse dem Zusammenhang von Religion und Moral sowie Glaube und Vernunft.


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