Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
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Lehr- und Forschungsbereich des Lehrstuhls für Wissenschaftstheorie

Die philosophischen Fragen und Themen, mit denen sich unser Lehrstuhl auseinandersetzt, sind vielfältig. Wir forschen und lehren zur Erkenntnistheorie, Methodologie, Semantik und Metaphysik der Wissenschaften. Konkret bedeutet dies, dass wir uns zum Beispiel mit den folgenden Fragen beschäftigen:

  1. Was heißt es und was sollten wir darunter verstehen, dass eine wissenschaftliche Theorie (gut oder schlecht) bestätigt ist? Gibt es sowohl empirische als auch nicht-empirische Arten der Bestätigung?
  2. Wie funktioniert statistisches und probabilistisches Schließen? Was genau sind eigentlich die Wahrscheinlichkeiten, von denen bei diesen Schlüssen die Rede ist? Sind sie objektive Tatsachen in der Welt (wie z.B. Häufigkeiten) oder ein Ausdruck unseres Unwissens? Was für Arten von Wahrscheinlichkeiten gibt es (z.B. präzise oder unpräzise Wahrscheinlichkeiten)?
  3. Wissenschaftler/innen stellen typischer Theorie und Modelle auf – aber was sind wissenschaftliche Theorie und Modelle? In welchen Beziehungen stehen verschiedene Theorien und Modelle? Lassen sich diese Beziehungen sinnvoll als Emergenz- oder Reduktionsbeziehungen verstehen? Sollten wir Realisten oder Anti-Realisten in Bezug auf Theorien und Modelle sein?
  4. Welche Art von Wissen erlangen Wissenschaftler/innen durch Simulationen (zum Beispiel durch Simulationen des Klimas)? Ist diese Wissen vergleichbar mit den Resultaten von Experimenten? Wie unterscheidet sich das Wissen, das Wissenschaftler/innen durch Computersimulationen und sog. analoge Simulationen gewinnen?
  5. Wie sollten wir den Kausalitäts- und Erklärungsbegriff in den Wissenschaften interpretieren? Wie kann man Ursachen entdecken? Was für Arten von Erklärungen gibt es? Wie hängen Erklärungen und Kausalität miteinander zusammen? Gibt es überhaupt einen einheitlichen Begriff von Kausalität und Erklärung?

Die Mitarbeiter/innen unseres Lehrstuhls beantworten diese (und weitere) philosophische Fragen mit individuell unterschiedlichen und sich ergänzenden Zielsetzungen wie den folgenden: Einige unserer Projekt haben das Ziel, Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen mehreren wissenschaftlichen Disziplinen zu verstehen (Ist es z.B. sinnvoll in der Physik und in den Wirtschaftswissenschaften von Theorien zu sprechen? Findet der Kausalitätsbegriff in allen wiss. Disziplinen Anwendung? Wie kann Kooperation in den Sozialwissenschaften und in der Evolutionsbiologie erklärt werden?). Diese Zielsetzung kennzeichnet den Bereich der allgemeinen Wissenschaftstheorie.

Der philosophische Fokus kann aber auch auf einer ganz bestimmten Disziplin, einer bestimmten Theorie oder einem spezifischen Modell liegen (z.B. der Begriffe von Raum und Zeit in der Quantengravitationstheorie, Wahrscheinlichkeit in der statistischen Mechanik, die Probleme der Bestätigung der Stringtheorie, die Interpretation der Idealisierungen im Rahmen des Lotka-Volterra Models, usw.). Diese Ausrichtung ist typisch für die spezielle Wissenschaftstheorie. Unser Schwerpunkt in Forschung und Lehre in diesem Bereich liegen insbesondere auf der Philosophie der Physik (bzw. der sog. foundations of physics), der Philosophie der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, der Psychologie, der Statistik und der Computerwissenschaften. Unserer Auffassung nach ist das richtige Zusammenspiel von allgemeiner und spezieller Wissenschaftstheorie notwendig für eine zugleich wissenschaftsnahe und philosophisch gehaltvolle Wissenschaftstheorie.

Unser Lehrstuhl verfolgt bewusst eine Vielfalt und sich ergänzende Kombination von methodischen Zugängen zu philosophischen Problemen und Fragestellungen. Zu diesen Methoden zählen u.a. die folgenden:

  • Deskriptiv orientierte Forschungsprojekte, deren Aufgabe vorwiegend in einer genauen Beschreibung und der begrifflichen Analyse von Fallstudien wissenschaftlicher Theoriebildung und Praxis bestehen;
  • Formale Zugänge, die z.B. Wahrscheinlichkeitstheorie benutzen, um philosophische Fragen zu beantworten und deren Ziel häufig deskriptiv und normativ zugleich ist;
  • Der Import empirischer Methoden aus den Wissenschaften, die z.B. auf psychologischen Tests und dem Einsatz von Computersimulationen zur Lösung von philosophischen Problemen basieren.