Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
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Schwerpunkte in Forschung & Lehre

Philosophisches Programm (in Lehre und Forschung)

Das philosophische Programm, das ich auszuführen versuche, ist in positiver und negativer Hinsicht durch drei große philosophische Richtungen wesentlich geprägt worden: die vorkantische (christliche) metaphysische Tradition (insbesondere Thomas v. Aquin und Leibniz), das deutsch-idealistische Systemdenken (besonders Hegel) und schlechterdings entscheidend die von Frege und Russell initiierte analytische Philosophie. Vor diesem Hintergrund gelten meine Bemühungen der Erarbeitung einer systematischen Philosophie, die einem doppelten Anliegen gerecht zu werden und eine doppelte Aufgabe zu erfüllen versucht: zum einen soll sie inhaltlich zentrale Intuitionen und Gedanken der abendländischen Metaphysik und des philosophischen Systemdenkens aufnehmen und neu durchdenken; zum anderen soll sie methodisch und formal den strengen Maßstäben der Klarheit, Genauigkeit und Theoretizität genügen, die von der analytischen Philosophie entwickelt wurden und heute gepflegt werden. In dieser zweiten Hinsicht kommt der modernen formalen Logik und der Wissenschaftstheorie eine zentrale Rolle zu.

Drei Disziplinen prägen den Ansatz der systematischen Philosophie, die mein gegenwärtiges und zukünftiges Arbeits- und Forschungsgebiet bildet: eine neue Sprachphilosophie (Semantik), eine neue Ontologie (Metaphysik) sowie die dezidierte Berücksichtigung der modernen formalen Wissenschaften (Logik und Mathematik). Ausdruck dieser Trias ist die Theorie der Wahrheit, die mein spezielles Forschungsgebiet darstellt. Wichtig für das Gesamtvorhaben sind auch die Erkenntnistheorie und die Wissenschaftstheorie.

Über die genannten Gebiete habe ich in den letzten Jahren viele Aufsätze in deutschen und ausländischen Fachzeitschriften und Sammelbänden publiziert (vgl. die Liste der Veröffentlichungen). Allen diesen Arbeiten lag immer eine streng systematische Ausrichtung zugrunde: Sie waren immer als Untersuchungen über einzelne Aspekte eines zu entwickelnden gesamtsystematischen Projekts gemeint. Dieses Projekt ist nun endlich realisiert worden, und zwar in dem neu erschienenen umfangreichen Werk: Struktur und Sein. Ein Theorierahmen für eine systematische Philosophie (Mohr Siebeck Verlag, Tübingen, 2006). Die in diesem Buch vorgelegte systematische Philosophie ist aus zwei Einsichten erwachsen, die sich aus einer langjährigen und intensiven Auseinandersetzung mit den fundamentalen philosophischen Konzeptionen der Geschichte und Gegenwart herausgebildet haben. Sie lassen sich als zwei Thesen formulieren. Die erste These besagt, dass sich jene vor über zweitausend Jahren unter der Bezeichnung Philosophie begonnene theoretische Unternehmung von ihrer Intention, ihrem Selbstverständnis und ihren Leistungen her grundsätzlich als eine Wissensform mit universalem Charakter darstellt. Die zweite These lässt sich als die Feststellung artikulieren, dass die heutige Philosophie und hier ganz besonders die sogenannte analytische diesem umfassenden oder universalen Charakter der Philosophie nicht oder kaum gerecht wird; sie hat fast durchgehend einen durch mehrere Faktoren bedingten fragmentarischen Charakter.

Im Untertitel des Buches ist nicht von philosophischem System, sondern von systematischer Philosophie die Rede. Damit soll der beabsichtigte radikale Unterschied zu den großen philosophischen Systemen der Vergangenheit, insbesondere zu den deutsch-idealistischen Systemen, markiert werden. Dieser Unterschied betrifft an erster Stelle die methodologische und die wissenschaftstheoretische Form der Behandlung und der Darstellung philosophischer Theorien. Dieser zentrale Aspekt wird in dem ebenfalls im Untertitel erscheinenden Begriff des Theorierahmens artikuliert, der im Anschluss an R. Carnaps Begriff des linguistic framework herausgearbeitet wird.

Der philosophische Theorierahmen ist von hoher Komplexität. Als ein Ganzes genommen, besteht er aus zahlreichen partikulären Theorierahmen, die als die Stufen des Prozesses zur Herausbildung des vollständigen systematischen Theorierahmens zu verstehen sind. Am Anfang der theoretischen philosophischen Unternehmung ist der Theorierahmen in dem Sinne nur sehr global bestimmt, dass er nur ganz allgemeine Elemente (Begriffe usw.) enthält. Im Zuge des Prozesses der Konkretisierung und systematischen Bestimmung des Theorierahmens kommen neue Elemente hinzu, so dass Schritt für Schritt jeweils weitere, bestimmtere, leistungsfähigere Subtheorierahmen als konkretere Formen des allgemeinen Theorierahmens hervortreten. Die Gesamtdarstellung im Buch ist die Nachzeichnung dieses Prozesses der Konkretisierung und näheren Bestimmung des (allgemeinen) systematischen Theorierahmens.

Auf der Basis des Begriffs des Theorierahmens wird Philosophie in einer vorläufigen Definition als universale Wissenschaft verstanden, genauer: als Theorie der universalen Strukturen des uneingeschränkten universe of discourse. Die zwei wichtigsten in dieser Definition vorkommenden Begriffe sind: Struktur und uneingeschränktes universe of discourse. Der zweite Ausdruck bzw. Begriff ist methodisch gänzlich neutral, enthält er doch keine näheren inhaltlichen Bestimmungen; er bezeichnet jene Dimension (auch dieser Ausdruck ist ein mit Absicht gewählter neutraler Ausdruck bzw. Begriff), welche die Sache der systematischen Philosophie repräsentiert. Die Dimension des universe of discourse ist das umfassende Datum im buchstäblichen Sinne von: das zu begreifende oder zu erklärende Gegebene der Philosophie, d. h. all das, womit sich die philosophische Theorie befassen kann und befassen muss. Insofern ist der Ausdruck Datum hier eine Art terminus technicus, von dem alle in der Philosophie gängigen Vorstellungen von Daten im Sinne etwa von sense data, dem sinnlich Gegebenen, u. ä. strikt zu unterscheiden sind. Auch das in der heutigen Philosophie unter der Bezeichnung the Myth of the Given vieldiskutierte Thema hat nur einen indirekten Bezug auf Datum in dem hier intendierten Sinne.

Im Zuge der Darstellung wird das universe of discourse schrittweise (näher) bestimmt, indem neue Bezeichnungen eingeführt werden: Welt, Universum, schließlich Sein (zunächst im Sinne des objektiven Gegenpols zu Struktur, später im umfassenden Sinn, der auch die Strukturdimension einschließt).

Der andere Hauptbegriff der Definition und des Haupttitels des Buches ist Struktur. Dieser Begriff bezeichnet all das, was eine Theorie expliziert. Begreifen, Erklären u. ä. kann man am kürzesten so charakterisieren, dass man sagt: Die Struktur(en) dessen, was begriffen, erklärt etc. wird (i.e. der Data), werden herausgearbeitet. Wegen der zentralen Stellung dieses Begriffs wird die vorgelegte systematische Philosophie struktural-systematische Philosophie genannt. Es werden drei Arten von fundamentalen Strukturen unterschieden und deren Zusammenhänge im einzelnen untersucht: formale, semantische und ontologische Strukturen. Sie bilden das Grundgerüst der struktural-systematischen Philosophie.

Das Buch ist in sechs Kapitel gegliedert. Sie artikulieren methodisch-systematisch den theoretischen Prozess der vollständigen (Selbst)Bestimmung der struktural-systematischen Philosophie. Die Überschriften der Kapitel enthalten Kurzcharakterisierungen der einzelnen Etappen dieses systematischen Vorgehens: Kapitel 1: Globalsystematik: Standortbestimmung der struktural-systematischen Philosophie; Kapitel 2: Theoretizitätssystematik: die philosophische Darstellungsdimension; Kapitel 3: Struktursystematik: die fundamentalen Strukturen; Kapitel 4: Weltsystematik: Theorie der Weltdimensionen; Kapitel 5: Gesamtsystematik: Theorie des Zusammenhangs aller Strukturen und Dimensionen des Seins als Theorie des Seins als solchen und im Ganzen; Kapitel 6: Metasystematik: Theorie der relativ maximalen Selbstbestimmung der systematischen Philosophie.

Für eine detaillierte Angabe der Zielsetzung, des methodischen Vorgehens und des Inhalts des Buches vgl. die beigelegte PDF-Datei (348 kb):

Struktur und Sein Inhaltsverzeichnis und Einleitung.pdf (PDF, 348 kb)

Philosophical Program (in Teaching and Research)

The philosophical program that I pursue is, both positively and negatively, decisively influenced by three grand philosophical traditions: pre-Kantian (Christian) metaphysics (particularly Thomas Aquinas and Leibniz), the systematic thought of German Idealism (particularly Hegel), and ultimately of the utmost importance analytic philosophy, initiated by Frege and Russell. From this background developed my attempts to develop a systematic philosophy that would satisfy two requirements and fulfill two tasks: on the one hand, contentually, it should retrieve and think rethink central intuitions and thoughts of Western metaphysics and systematic philosophical thought, and on the other, methodologically and formally, it should satisfy the strict criteria of clarity, precision, and theoreticity that developed within and are currently championed by analytic philosophy. In this second respect, modern formal logic and philosophy of science play central roles.

Three disciplines characterize the systematic philosophy that is the domain of my current and future work and research: a new philosophy of language (semantics), a new ontology (metaphysics), and decisively taking into account of the modern formal disciplines (logic and mathematics). The three are bound together in the theory of truth, which is the focus of my most detailed research. Important for the project as a whole are also epistemology and the philosophy of science.

In recent years, I have published many essays in the areas mentioned above in German and foreign journals (see the list of publications on this page). Underlying these essays there has always been a strictly systematic project: all developed as investigations of specific aspects of a comprehensive theoretical undertaking. This undertaking has now finally been realized in the extensive work Struktur und Sein. Ein Theorierahmen für eine systematische Philosophie (Mohr Siebeck Verlag, Tübingen, 2006). The systematic philosophy presented in this book grew from two insights that developed from long and extensive examinations of the fundamental philosophical conceptions of the past and the present. These insights can be formulated as two theses. According to the first, the theoretical undertaking that began over two thousand years ago under the designation philosophy is, with respect to its intention, its self-understanding, and its achievements, a science with a universal character. According to the second thesis, contemporary philosophy and quite particularly analytic philosophy does little if any justice to this comprehensive or universal character of philosophy; virtually throughout, it has instead a fragmentary character conditioned by various factors.

The subtitle of the book just introduced speaks not of a philosophical system, but of systematic philosophy. The latter term is intended to emphasize the radical distinction from the grand philosophical systems of the past, and particularly those of German Idealism. Most importantly, this distinction concerns the methodological and scientific form of the treatment and presentation of philosophical theories. This central aspect is also articulated in the subtitles concept of the theoretical framework, that is developed in connection and in contrast with Carnaps concept of the linguistic framework.

On the basis of the concept of the theoretical framework, philosophy is understood, by means of a preliminary definition, as the universal science, more precisely, as the theory of the universal structures of the unrestricted universe of discourse. The two most important components of this definition are structure and unresticted universe of discourse. Considered methodologically, the latter concept is wholly neutral in that it contains no more precise contentual determinations; it designates the dimension (dimension also haveing been chosen because of its contentual neutrality) of the subject matter proper to systematic philosophy. This dimension is the comprehensive datum in the literal sense: that which is given to philosophy to be conceptualized or explained, i.e., everything that philosophical theorization can and must consider. The term datum is thus here a kind of technical term that is strictly to be distinguished from data understood for example as sense date, what is given to the senses, etc. The topic much discussed in contemporary philosophy as the myth of the given is also only indirectly related to the datum as understood here.

In the course of the presentation, the unrestricted universe of discourse is more precisely determined step by step in that new designations are introduced: world, universe, and ultimately being (at first in the sense of the objective counterpole to structure, later in a comprehensive sense that includes the dimension of structure).

The other central concept in the definition and in the title of the book is structure. This concept designates everything that the books theory explains. Conceptualizing, explaining, etc., are most concisely characterized as follows: the structure(s) of what is conceptualized, explained, etc., is or are developed. Because of the centrality of this concept to the theory presented in the book, that theory is term the structural systematic philosophy. Three kinds of fundamental structures are distinguished, and their interrelations investigated in detail: formal, semantic, and ontological structures. These constitute the heart of the abstract theoretical framework of the structural systematic philosophy.

The book has six chapters. They methodically and systematically articulate the theoretical process of the complete (self-)determination of the structural systematic philosophy. The titles of the chapters briefly characterize the stages of the systematic undertaking: Chapter 1, Global Systematics: the Standpoint of the Structural Systematic Philosophy; Chapter 2, Systematics of Theoreticity: the Dimension of Philosophical Presentation; Chapter 3, Systematics of Structure: the Fundamental Structures; Chapter 4, World Systematics: the Theory of the Dimensions of the World; Chapter 5, Comprehensive Systematics: the Theory of the Interconnection of all the Structures and Dimensions of Being as Theory of Being as Such and as a Whole; Chapter 6, Metasystematics: the Theory of the Relatively Maximal Self-Determination of the Structural Systematic Philosophy.

For a detailed account of the goal, the methodic procedure, and the content of the book, follow the link to Struktur und Sein – Inhaltsverzeichnis und Einleitung.pdf. (PDF, 348 kb)

For additional information in English, follow the link to www.structureandbeing.com.