Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
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Schwerpunkte in Forschung & Lehre

Philosophische Anthropologie des Mittelalters und der frühen Neuzeit; Ethik, ebenfalls Mittelalter/Frühe Neuzeit; Religionsphilosophie; Frauenforschung in der Philosophie.

AutorInnen:

Früh- und Hochscholastik (12./13. Jahrhundert), insbesondere die franziskanische Schule; Hrotsvith von Gandersheim, Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg, Julian of Norwich, Marguerite Porete u.a.; moderne Autorinnen, z.B. Hannah Arendt, Malwida von Meysenburg.

Seminare zur philosophie- und theologiegeschichtlichen Frauenforschung, näherhin zur Geschlechter-Anthropologie (gender), zum Verhältnis von Gottes- und Menschenbild im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit.

Nach jahrzehntelanger Beschäftigung in Lehre und Forschung mit Frühscholastik (Hugo von St. Viktor, Abaelard, Alanus von Lille u. a.) und Hochscholastik (bes. Franziskaner, Alexander Halensis und Bonaventura, aber auch Robert Kilwardby O.P., dessen Christologie ich kritisch ediert habe), liegt seit Anfang der achtziger Jahre mein Augenmerk auf dem Menschenbild männlicher wie weiblicher Autoren, denn letztere wurden bisher weitgehend als "Mystikerinnen", "Dichterinnen" oder allenfalls als "Chronistinnen" abgetan, ohne daß ihre philosophisch-theologischen Aussagen als solche gewürdigt bzw. in Darstellungen von Philosophie- und Theologiegeschichte einbezogen wurden. Die Disziplinen, die sich bisher diesen Autorinnen immerhin dankenswerter Weise gewidmet haben (Mystik und Frömmigkeitsgeschichte, Altgermanistik, Mittellatein, Romanistik in ihren verschiedenen Zweigen, Anglistik), waren an den philosophisch-theologischen Implikationen der Frauenwerke wenig interessiert, was auch für die Reaktionen der Schriftstellerinnen auf die Werke der zeitgenössischen bis vorausgehenden (männlichen) Haupttradition gilt, ebenso wie für Einflüsse von Frauen des Mittelalters auf die der Renaissance.

Wir beschäftigen uns in meinen Seminaren aber nicht nur mit Frauentexten, denn da die Autorinnen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit jeweils auf die herrschenden Menschen- und Gottesbilder reagieren, schon im 12. Jahrhundert biblische Stellen anders deuten und mit zunehmender Zeit auch andere Paradigmen für die Anthropologie vorschlagen, müssen bis in das 18. Jahrhundert die Texte der (scholastischen) Haupttradition gekannt sein, um die Schriftstellerinnen mit ihrer jeweiligen Indienstnahme von neuplatonischen Denkmodellen und Zurückweisung von Aristotelismen zu verstehen. Nachdem sich in der frühneuzeitlichen "Querelle des Femmes" auch männliche Schriftsteller (wie in Deutschland H. C. Agrippa von Nettesheim) zur Frauenverteidigung entschlossen haben, ist es wiederum interessant, bei der Lektüre festzustellen, welche Ambivalenzen bei ihnen noch bestehen und wie sich die Texte der Frauen von denen der männlichen "Frauenfreunde" unterscheiden. Im WS 1999/2000 hatten wir Gelegenheit, in der International University of Venice an den Werken dreier Venetianischer Schriftstellerinnen (16./17. Jh.) die Probe aufs Exempel zu machen.

Texte von Autoren und Autorinnen der Frühen Neuzeit zur Geschlechteranthropologie veröffentliche ich seit 1984 kontinuierlich in meiner Reihe "Archiv für philosophie- und theologiegeschichtliche Frauenforschung" im iudicium verlag in München. Weitere Texte für künftige Bände habe ich gesammelt, und wir können damit arbeiten, bevor sie im "Archiv" erscheinen. Fremdsprachige Texte sind im "Archiv" übersetzt bzw. inhaltlich zusammengefaßt. Originalzitate finden sich im Anmerkungsteil. Ein "Sonderband" des "Archivs" beschäftigt sich mit Hildegard von Bingen, an deren Erforschung ich seit 1980 beteiligt bin. Das "Archiv" dient als Textgrundlage für die Seminare, aus denen bereits verschiedene Doktorarbeiten hervorgegangen sind. Anfangs versuchte ich es in München auch mit Vorlesungen zu einer Thematik ganz anderer Art, nämlich über die europäische Asienrezeption in der Frühen Neuzeit. Aber wegen des Mangels an Interesse bei den Studierenden mußte ich diese Vorlesungen nach zwei Semestern aufgeben.

Meine Forschungstätigkeit auf diesem Gebiet geht jedoch weiter. So arbeitete ich von 1996 bis 2003 an der historisch-kritischen Edition der Werke von Engelbert Kaempfer, der von 1690 bis 1692 in Japan war und u. a. wichtige Erkenntnisse über die japanischen Religionen (und deren Unterscheidung) gewonnen hat. Sollte sich die Interessenlage unter den Studierenden ändern, so könnte ich auch auf diesem Gebiet wieder Angebote machen.