Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
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Historisch-kritische Edition von Schellings „Freiheitsschrift“

Historisch-kritische Edition von Schellings „Freiheitsschrift“
im Rahmen der Werkausgabe durch die Schelling-Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

Selten sind Werke großer Philosophen so konkret einem bestimmten Untersuchungsgegenstand gewidmet wie Schellings Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände (Landshut 1809). Sie stellen zudem nicht nur das berühmteste und am meisten gelesene Werk von Schelling dar, sondern behandeln mit dem Thema Freiheit einen der heute weltweit am intensivsten diskutierten philosophischen Begriffe. Obgleich Schelling auf diesem Diskussionsfeld bei näherer Betrachtung viel zu bieten hat, werden ihm mit Blick auf äußere Form und Sprachduktus der Freiheitsschrift immer wieder irrationalistische und obskur wissenschaftsfeindliche Tendenzen unterstellt, weswegen die Freiheitsschrift in der Philosophie der Gegenwart nicht eben in bestem Ruf steht. Dies ist zumindest teilweise auf einen Mangel an genauer Kenntnis und gedanklicher Durchdringung des notorisch schwierigen, begrifflich tiefgründigen, aber zugleich schillernden und poetisch aufgeladenen Textes, verbunden mit Schellings romantischem Schreib- und Denkstil, zurückzuführen, dem durch das nachfolgend beschriebene Forschungsprojekt auf mehreren Ebenen der Klärung und Auseinandersetzung abgeholfen werden soll.

Mit der ersten historisch-kritischen Edition von Schellings Freiheitsschrift im Rahmen der Werkausgabe durch die Schelling-Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Bd. 17 der Reihe I) sollen einerseits neue Grundlagen geschaffen werden, um die Schrift in ihrer ausgedehnten Rezeptionsleistung in Bezug auf die vorangehende philosophische und theologische Literatur zur Freiheit (von Augustinus bis Luther und Spinoza bis Fichte) sowie in ihrer großen Bedeutung im Rahmen der zeitgenössischen Freiheitsdebatten (von Kant bis Reinhold und Hegel) durchsichtig zu machen und andererseits ihre philosophischen Vorzüge und Stärken nicht nur für eine Metaphysik des Willens (Heidegger), sondern für das gegenwärtige Denken der Freiheit zwischen naturwissenschaftlichem Reduktionismus, Prinzip ethischer Begründung und Unbestreitbarkeit geschichtlicher Verantwortung des Menschen aufzuzeigen. Es handelt sich deshalb gleichermaßen um ein Projekt der Textedition wie um ein Projekt der philosophisch-systematischen Begriffs- und Problemerkundung, zentriert um den Begriff der menschlichen Freiheit und ihren Zusammenhang mit Natur, Geschichte, Gottesbegriff und geschichtsgestaltender Existenzform des Menschen.


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