Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
print

Links und Funktionen

Navigationspfad


Inhaltsbereich

DFG-Forschungsprojekt „Schellings Philosophie der menschlichen Freiheit“

Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (3/2015 – 2/2018)


Schellings „Philosophische Untersuchungen über das Wesen der menschlichen Freiheit und die damit zusammenhängenden Gegenstände“ gelten allgemein als sein bedeutendstes Werk. Vor allem aus philosophiehistorischer Sicht kann die Freiheitsschrift inzwischen als gut erschlossen gelten und die philosophische Forschung hat auch einige Teilaspekte der Schellingschen Freiheitsphilosophie oftmals überzeugend interpretiert. 

Was indes bis heute fehlt, ist eine umfassende methodische sowie systematisch-konzeptionelle Erschließung des Schellingschen Gedankens, die seinem Anspruch gerecht wird, das „Gefühl der Freiheit“ so auf den Begriff zu bringen, dass es im „Zusammenhang mit dem Ganzen einer wissenschaftlichen Weltansicht“ Gültigkeit beanspruchen kann (Freiheitsschrift SW VII, 336).

Eine solche Vereinbarkeit von Freiheit und „wissenschaftlicher Weltansicht“ erfordert, wie schon ein Blick auf die entsprechenden Problemanzeigen in der Freiheitsschrift lehrt, Schelling zufolge dreierlei: Erstens, dass (entgegen der Position Jacobis) persönlich gefühlte Freiheit überhaupt zum Gegenstand rationaler Wissenschaft in Allgemeinbegriffen werden kann (epistemischer Kompatibilismus); zweitens, dass die Freiheit des einzelnen Individuums verlustfrei mit der universell-natürlichen und geschichtlich-sozialen Determiniertheit jedes Handelnden zusammengedacht werden kann (ontologischer Kompatibilismus); und drittens schließlich, dass menschliche – und damit ihrem Wesen nach endliche – Freiheit mit den göttlichen Allprädikaten Allmacht, Allgüte und Allwissenheit bzw. der allgemeinen Vorsehung vereinbar ist (theologischer Kompatibilismus).

Ziel des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projektes ist es, eine philosophisch-systematische Aufarbeitung des kompatibilistischen Gesamtkonzepts der Freiheitsschrift zu leisten. Dringlich ist diese Aufgabe vor allem darum, weil die Schellingsche Position zweifellos erst nach einer solchen Aufarbeitung in einen fruchtbaren Dialog mit der modernen Debatte gebracht werden kann.

Im Einzelnen ergeben sich folgende Projektziele:

  1. Aufdeckung und Beschreibung der von Schelling mit der Freiheitsschrift neuerdings eingeschlagenen Denkmethode im Vergleich und Kontrast zu Schellings eigener früherer Philosophie sowie zu zeitgenössischen Alternativen (insbesondere zur Dialektik Hegelschen Typs)
  2. Herausarbeitung des kompatibilistischen Gesamtkonzepts der Freiheitsschrift in seinen drei Hauptzügen: 
    (a) Vereinbarkeit von persönlich empfundener Freiheit mit rationaler Wissenschaft in Allgemeinbegriffen (epistemischer Kompatibilismus) 
    (b) Vereinbarkeit von Freiheit mit der natürlichen, biographisch-individuellen und historisch-sozialen Bedingtheit menschlichen Daseins und Handelns (ontologischer Kompatibilismus) 
    (c) Vereinbarkeit von Freiheit mit den göttlichen Allprädikaten Allmacht, Allgüte und Allwissenheit bzw. der allgemeinen Vorsehung (theologischer Kompatibilismus)
  3. Darstellung der kompatibilistischen Theoriegestalt von Schellings Freiheitsphilosophie im Ganzen und der daraus möglicherweise resultierenden Folgelasten für Schellings weitere philosophische Entwicklung.

Projektgruppe:

  • Prof. Dr. Thomas Buchheim (Projektleitung)
  • Thomas Frisch M.A. (wissenschaftlicher Mitarbeiter)
    Arbeitstitel der Dissertation: Gott als „letzte und höchste Ursache“ menschlicher Freiheit? Schelling und das Problem des theologischen Kompatibilismus
  • Nora Wachsmann M.A. (wissenschaftliche Mitarbeiterin) 
    Arbeitstitel der Dissertation: Freiheit unter Bedingungen von Natur und Geschichte bei Schelling
  • Marco Hausmann B.A. (wissenschaftliche Hilfskraft mit Abschluss) 
    Arbeitstitel der Masterarbeit: Schellings Theorie der Person in der Freiheitsschrift

Die Projektgruppe ist zugleich Teil eines größeren Forschungskreises zur Philosophie Schellings, der sich unter Einbeziehung von wechselnden Fellows aus dem Ausland schon länger im Umkreis des Lehrstuhls gebildet und seit etwa einem Jahr die Freiheitsschrift und ihre philosophisch-theologischen Quellen zum Hauptgegenstand einer intensiven und systematischen Erforschung erhoben hat. Neben Vorträgen, Gastaufenthalten und Einbeziehung von internationalen Fellows und Postdocs in die Projektarbeiten und das Forschungsseminar sollen zwei Workshops die Ergebnisse einer kritischen Überprüfung und Diskussion innerhalb des Kreises der Kooperationspartner und darüber hinaus unterziehen.

  

Liste der Kooperationspartner


Servicebereich