Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
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Freiheit auf Basis von Natur? - Modellierung eines qualitativen Freiheitsbegriffs jenseits von Determinismus und Indeterminismus

Finanzielle Trägerschaft: Thyssen-Stiftung
LMU München, Philosophiedepartment, Lehrstuhl III
Projektleiter: Prof. Dr. Thomas Buchheim
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Torsten Pietrek
Studentische Hilfskräfte: Ortrun Daniel, Markus Wanzeck

Kurzdarstellung des Projekts (2002 - 2005)

Wenn man die Auffassung teilt, dass die Physik die grundlegende Beschreibung unserer Welt liefert, so sieht man sich vor die Alternative von Determinismus und Indeterminismus gestellt. Beide Seiten dieser Alternative werfen auf den ersten Blick Probleme für unseren alltäglichen Freiheitsbegriff auf: Wenn der Determinismus zutrifft, dann scheint das Ergebnis unserer Entscheidungen immer schon im vorhinein festzustehen, so dass die anderen Möglichkeiten, die wir erwogen haben, gar keine realen Möglichkeiten waren. Trifft andererseits der Indeterminismus zu, dann scheint das Ergebnis unserer Entscheidungen vom Zufall abzuhängen, so dass nicht wir entschieden haben, sondern eben zufällig das eine statt des anderen eingetreten ist. In beiden Fällen stellen sich Entscheidungen nicht so dar, dass sie im emphatischen Sinn unsere Entscheidungen sind. Wie können wir Freiheit so verstehen, dass unsere Entscheidungen an uns liegen, ohne dabei in Widerspruch zu gängigen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu geraten? Wie können wir konsistent sowohl an unserer alltäglichen und auch juristischen Praxis der Zurechnung als auch an einer naturwissenschaftlich geprägten Weltsicht festhalten?

Die philosophische Debatte um den Freiheitsbegriff ist gefangen in den Dichotomien von Determinismus gegen Indeterminismus bzgl. des natürlichen Geschehens und daran anschließend Kompatibilismus (die Freiheit ist mit dem Determinismus verträglich) gegen Inkompatibilismus (die Freiheit ist damit nicht verträglich). Diese Fixierung bringt eine Verengung des Blicks auf den Freiheitsbegriff mit sich, die das Projekt aufbrechen will. Es ist uns gelungen zu zeigen, auf welchen z.T. stillschweigenden Voraussetzungen die Dichotomien beruhen und in welche Aporien sie führen, ohne selbst eine bestimmte Position in dieser Debatte einnehmen zu müssen. Des weiteren wurde deutlich, dass keine der gegenwärtig vertretenen Positionen eine schlüssige Argumentation dafür bietet, dass eine qualitative, phänomenorientierte Untersuchung des Freiheitsbegriffs von vorneherein sinnlos wäre. Vielmehr verweisen die Aporien der gegenwärtigen Debatte gerade auf die Notwendigkeit solcher Analysen.

Durch diese Untersuchungen haben wir uns den Freiraum für qualitative Untersuchungen geschaffen und dabei den Bezug zur gegenwärtigen Debatte aufrechterhalten, so dass wir nun in eine unabhängige qualitative Analyse eingetreten sind und uns im Anschluss wieder auf diese Debatte beziehen können. Das Raster dieser Analysen lässt sich anhand folgender Aspekte einer im vollen Sinne freien Handlung umreißen; sie ist

begangen: es handelt sich um die Tätigkeit eines Lebendigen in Abgrenzung zum bloßen Ereignis.

gekonnt: die Tätigkeit beruht auf einer Fähigkeit zu ihrer Ausübung und ist nicht bloß das Produkt (un)glücklicher Umstände.

gewollt: die Handlung ist sinnvoll in Relation zu bestimmten Zielen.

überlegt: der Entschluss zur Handlung ist das Produkt eines abwägenden kognitiven Prozesses.

platziert: tragende Züge der Handlung sind formuliert in einer Art von sozialen Sprache

gebilligt: der Handelnde sieht sich selbst in Übereinstimung mit seiner Handlung; zugleich wird sie ihm von anderen als seine Handlung zugerechnet.

Veröffentlichungen:

  • Thomas Buchheim: Unser Verlangen nach Freiheit. Hamburg (Meiner) 2006.
  • Freiheit auf Basis von Natur? Suche nach Modellen jenseits von Determinismus und Indeterminismus, hrsg. von Th. Buchheim und T. Pietrek, Paderborn (mentis) 2007.

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