Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
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Substanzendualismus und rationaler Wille in der cartesischen Ethik

Finanzielle Trägerschaft: Thyssen-Stiftung
LMU München, Philosophiedepartment, Lehrstuhl III
Projektleiter: Prof. Dr. Thomas Buchheim
Wissenschaftlicher Mitarbeiter: Dr. Daniel Dohrn

Kurzdarstellung des Projekts (abgeschlossen: 2006)

René Descartes gilt als Begründer der neuzeitlichen Philosophie. Während er selbst die Ethik als das letzte und umfassendste Ziel seiner philosophischen Bemühungen beschreibt, liegt das Augenmerk der Forschung bisher vor allem auf seiner Metaphysik und Erkenntnistheorie. Die vergleichsweise schmale Forschungsliteratur, die der Ethik gewidmet ist, blendet wiederum Metaphysik und Erkenntnistheorie weitgehend aus. Beide sind aber unerläßlich für das Verständnis der cartesischen Ethik. Das Projekt soll daher eine Brücke zwischen den beiden Forschungsgebieten schlagen, um die Wechselbeziehungen zwischen Descartes´ Ethik und seiner Metaphysik und Erkenntnistheorie aufzuzeigen.Im ersten Projektjahr werden die Grundlagen der cartesischen Ethik erarbeitet.Diese steht in der antiken Tradition der Suche nach einem höchsten Gut. Descartes verstreute Äußerungen dazu werden zwei konkurrierenden Konzeptionen zugeordnet. Die eine schließt alle Güter ein, die der Mensch unter idealen Umständen erwerben kann. Aus ihr ergibt sich die vielkritisierte Vorgabe, sich zum „Herrn und Eigentümer der Natur“ zu machen. Descartes führt sie auf Aristoteles zurück. Die zweite, auf die Stoa zurückgehende, schließt nur diejenigen Güter ein, die der Mensch unter allen Umständen erwerben kann. Aus ihr ergibt sich die anscheinend ganz gegensätzliche Vorgabe, sich auf die Reform der eigenen Gedanken zu beschränken. Zu klären ist, wie Descartes beide Ideale für berechtigt halten kann. Nachdem Forschungsansätze kritisiert wurden, die auf eine Vereinbarkeit beider Ideale zielen, wird ihre Zweiheit auf ein dualistisches Menschenbild zurückgeführt.Das aristotelische Ideal berücksichtigt, daß der Mensch als substantielle Einheit von Körper und Geist ein Wesen unter anderen in der körperlichen Welt ist, und daher für seine Selbsterhaltung und das allgemeine Beste sorgen soll. Das stoische Ideal identifiziert den Menschen mit der eigenständigen geistigen Substanz, deren Wesen das Denken ist, und die nur von Gott abhängt, mit dem Resultat, daß es nur gilt, das eigene Denken als Tätigkeitsbereich des Geistes richtig zu orientieren. Damit wurden die beiden Ideale zwar auf einen Dualismus im Menschenbild zurückgeführt, stellen aber immer noch unvereinbare Anforderungen, zwischen denen eine Entscheidung getroffen werden muß. Descartes räumt nun dem Geist einen grundsätzlichen Vorrang gegenüber dem Körper ein. Daraus wird gefolgert, daß das stoische Ideal dem aristotelischen vorgeordnet ist. Güter, die über das erstere hinausgehen, dürfen kein Ziel des Menschen sein, auch wenn er sein Möglichstes tut, sie zu erwerben.Aus diesen Grundlagen soll in der zweiten Projektphase eine cartesische Theorie des Willens entwickelt werden, die ihn als die Aktivität des Geistes darstellt, durch die er das höchste Gut in den Bereichen des Erkennens und des Handelns erwirbt.


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