Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
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Philosophie der Renaissance

In den Jahrhunderten der Renaissance, zwischen 1348 - 1648, findet auch in der Philosophie der Übergang vom Mittelalter zur frühen Neuzeit statt. In ihrem Verlauf übernimmt die Philosophie zusammen mit den universitären und schulischen Institutionen auch die gesicherten Ergebnisse und ungelösten Probleme des Mittelalters; sie öffnet sich der antiken Tradition, rezipiert deren Lei-stungen in Philosophie und Wissenschaften und unterzieht das mittelalterliche Erbe einer grundlegenden Kritik; sie entwickelt eine Vielzahl neuer Denkansätze und Methodenentwürfe, deren tragfähigste der neuzeitlichen Philosophie und Wissenschaften zugrunde liegen und die geistige Entwicklung Eu-ropas bis in die Gegenwart hinein bestimmt haben und noch bestimmen.

Insbesondere entdeckt die Renaissance das Subjekt als nicht hintergehbares Prinzip allen Philosophierens, gleichgültig ob sie es in der Metaphysik als denkendes Geistwesen, in der Sprachphilosophie als kommunizierendes Sozialwesen, in der politischen Philosophie als Herrn seines eigenen Schicksals, in der Ethik als klug kalkulierenden Pragmatiker oder in der Naturphilo-sophie als erfahrungsgeleitetes Sinnenwesen zu begreifen sucht. Sie beginnt die Philosophie, die sie vom Mittelalter als Universalwissenschaft übernommen hatte, in eine Vielzahl von einzelnen Disziplinen auszudifferenzieren und initiiert damit die methodisch begründeten Einzelwissenschaften, die Naturwissenschaften wie Physik, Chemie, Mechanik nicht anders als die Geisteswissenschaften wie Anthropologie und Psychologie, Philologie und Geschichte, Literaturwissenschaft und Kunsttheorie. Sie entwickelt die methodi-schen Verfahren zur Gewinnung, Sicherung und Ordnung neuer Einsichten: die philologisch-historischen Methoden ebenso wie die Hermeneutik, die mathematisch-empirischen Forschungsverfahren ebenso wie die Modelle systematischer Ordnung.

Der Schwerpunkt Renaissance-Philosophie ist innerhalb Deutschlands eine Besonderheit der LMU. In der Sonderbibliothek des Seminars für Geistesgeschichte und Philosophie der Renaissance besitzt das Philosophie-Department ein Forschungsinstrument von Weltruf, das mit allen bedeutenden Forschungszentren kooperiert. Die home-page des Seminars (http://www.phil-hum-ren.uni-muenchen.de/) ist eine häufig befragte Informationsbörse für Forscher aus aller Welt.

Forschungsschwerpunkte sind z.Zt. mit historischer Zentrierung die Genese der Renaissance-Philosophie aus dem spätscholastischen Erbe (Ockham) und die Vorbereitung der neuzeitlichen Philosophie und Wissenschaft (Descartes, Galilei) in der Philosophie des 16. Jahrhunderts, unter systematischer Zentrierung die Begründung neuzeitlicher Ethik, Ökonomie und Politik und die metaphysischen und methodologischen Grundlagen der modernen Geistes- und Naturwissenschaften.