Fakultät für Philosophie, Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft
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Religionsphilosophie

Die Religionsphilosophie untersucht zum einen das Phänomen und das Wesen der Religion, zum anderen erörtert sie, wie die Lehren bestimmter Religionen am besten auszubuchstabieren sind und was für ihre Wahrheit spricht. Zu der Untersuchung des Phänomens der Religion gehört die Beschreibung der Religiosität von Menschen. Was z.B. empfinden Menschen gegenüber dem, was ihnen heilig ist? Auch gehört dazu die Untersuchung der historischen Entwicklung bestimmter Religionen. In welcher Situation z.B. hat sich der Islam im 7. Jh. als eine nach-christliche Religion definiert? Ferner gehört dazu die Erörterung des Ursprungs und der Entstehung der Religion. In der sog. Religionskritik in der Aufklärung wurde hierbei oft die Falschheit der religiösen Überzeugungen vorausgesetzt, und es wurden psychologische Erklärungen für die Entstehung von Religiosität angenommen. Die Auseinandersetzung mit den Lehren bestimmter Religionen wurde in der Philosophie des Abendlandes besonders von christlichen Philosophen betrieben, z.B. von Origenes, Augustinus, Anselm von Canterbury, Thomas von Aquin, Johannes Duns Scotus, Leibniz, Bernard Bolzano, und Franz von Brentano, aber auch von islamischen Philosophen wie al-Kindi (801-873). In den letzten 30 Jahren hat die Religionsphilosophie in dieser Tradition (auch philosophische Theologie oder analytische Religionsphilosophie genannt) besonders in den USA und in England eine Renaissance erlebt. Erörtert wird z.B. ob es einen Gott gibt, ob das Übel auf der Welt gegen die Existenz Gottes spricht, welche Eigenschaften Gott hat, ob es möglich ist, daß Gott die freien Entscheidungen von Menschen vorherweiß, ob es möglich ist, daß ein Mensch nach seinem Tode weiterexistiert, ob Reinkarnation möglich ist, ob die Vielheit der religiösen Überzeugungen gegen die Wahrheit einer bestimmten Religion spricht und wie ein pantheistischer Gott aufzufassen ist. Während an konfessionellen theologischen Fakultäten in Deutschland dabei bestimmte Glaubensbekenntnisse zugrundegelegt werden, werden in der Debatte innerhalb der Philosophie atheistische Auffassungen genauso vertreten wie z.B. christliche.